
Arbeit mit Bienen: Verantwortung übernehmen, Angst abbauen und mit der Natur in Beziehung treten
Wo der Bredstedter Alltag normalerweise von Klassenzimmerlärm geprägt ist, haben sich seit einigen Jahren 40.000 fleißig summende Arbeiterinnen niedergelassen – in zwei Bienenstöcken, die von Schülern betreut werden. Initiiert und begleitet wird das Projekt von Lehrer und Hobby-Imker Kai von Berg.
Honigproduktion auf dem Pausenhof
Den Anstoß für die Schulimkerei gab ein ungewöhnlicher Fund: „Ein Kollege hat vor ein paar Jahren die Schule verlassen und ein Bienenvolk zurückgelassen. Ich habe es per Zufall im Imkerhaus entdeckt“, erinnert sich Kai von Berg, der nun mit sieben Schülern auf die Bienen achtgibt. Da er privat bereits Erfahrung in der Imkerei hatte, nahm er sich der Tiere an – am Anfang noch ohne Schülerbeteiligung. Zwei Jahre lang züchtete er gezielt ein besonders sanftes Volk heran: „Ich wollte Bienen, die für die Schüler verträglich sind, schwarmträge und friedlich.“
Erst in diesem Frühjahr wagte von Berg den Schritt zur AG mit Schülern. Sieben Jugendliche meldeten sich freiwillig, um die Bienenpflege zu erlernen. Seitdem treffen sie sich wöchentlich, um Waben zu schleudern, zu wiegen und – ganz wichtig – die kleinen Tiere zu beobachten und zu füttern.
Gemeinschaftsschule Bredstedt: Lernen mit allen Sinnen
Die Schüler sind in der Zusammenarbeit mit Kai von Berg von Beginn an aktiv eingebunden. Linus (15) und Nico (16) aus der 9 e schildern begeistert ihre Erlebnisse. „Ich fand es richtig cool, die Waben abzuschaben“, erzählt Linus. Nico ergänzt: „Wir haben am Anfang Witze gemacht, dass wir da hingehen – jetzt sind wir voll dabei. Es ist viel interessanter, als ich gedacht hätte.“
Die Arbeit mit den Tieren ist mehr als praktischer Biologieunterricht zum Anfassen. Von Berg legt besonderen Wert auf die Persönlichkeitsentwicklung seiner Schüler: „Verantwortung übernehmen, Angst abbauen, mit der Natur in Beziehung treten. Das alles gehört dazu.“ Einige Schüler seien anfangs zurückhaltend gewesen, ein Teilnehmer habe gar starke Angst vor den Tieren gehabt. Inzwischen ziehe er selbständig Waben und spreche sich dabei Mut zu. „Ein kleines therapeutisches Wunder“, sagt von Berg und schmunzelt.
AG-Produkt: Selbst gemachter Honig
Höhepunkt der Arbeit in der Gruppe war die erste Honigernte. Die Schüler holten die vollen Waben, entfernten eigenhändig die Wachsdeckel, schleuderten den Honig, siebten ihn, ließen ihn ruhen und füllten ihn ab. Natürlich unter strengsten hygienischen Bedingungen. „Mit Haarnetz und Handschuhen“, betont Kai von Berg. Das gebe Selbstbewusstsein, ein Lebensmittel mit den eigenen Händen herzustellen.
Verkauft wird der Honig nur schulintern, zum Beispiel beim Sommerfest oder auf dem Weihnachtsbasar. Der bürokratische Aufwand für den Verkauf im Einzelhandel wäre zu groß. „Die Schüler sollen Freude daran haben – nicht den Stress eines Start-ups“, so der Lehrer.
Imkern: Mehr als nur ein Hobby
Die Schüler lernen nicht nur praktisch. Ein Theorieblock zur Biologie der Biene steht ebenfalls auf dem Programm. Wie entsteht Honig? Was macht die Königin? Woran erkennt man eine Drohne? Das neue Wissen können die Schüler direkt auf dem Pausenhof anwenden.
Dabei profitieren sie auch auf der zwischenmenschlichen Ebene. Denn Teamarbeit ist ebenso gefragt wie sorgfältiges Handeln. „Wenn ein Volk 35 Kilo Honig eingetragen hat, dann ist da schon ordentlich Gewicht zu schleppen“, erklärt Kai von Berg. Deshalb wurde die Ausstattung an die Kraft der Jugendlichen angepasst.
„Lehrkräfte, die so etwas machen wollen, sollten selbst Bienen halten.”
Für andere Schulen hat von Berg einen klaren Ratschlag: „Lehrkräfte, die so etwas machen wollen, sollten selbst Bienen halten.” Denn: Jedes Jahr sei anders. Das müsse man erlebt haben. Auch während der Ferienzeit sei Betreuung nötig. Wer nicht regelmäßig nach den Völkern schaue, riskiere, sie an die Freiheit zu verlieren.
Trotz aller Herausforderungen möchte von Berg das Projekt fortführen: „Es passt zwar nicht immer perfekt in den Schuljahresablauf, aber es lohnt sich. Und wenn ich sehe, wie selbstbewusst die Schüler inzwischen mit den Tieren umgehen, ist das der schönste Lohn.“
Schulbienen bringen Entspannung
Sowohl für die Schüler als auch für den Lehrer ist die Arbeit mit den Bienen ein Kontrast zum hektischen Schulalltag. „Man kommt dabei richtig runter“, sagt Nico. Auch von Berg nutzt die Zeit bei den Tieren zur Entspannung. „Bei den Bienen muss man ruhig bleiben. Hektik mögen sie nicht. Das ist mein persönliches Runterkomm-Programm.“
Was als Zufallsfund begann, ist heute ein lebendiges Schulprojekt mit echtem Mehrwert für die Natur und die Gemeinschaft. Und vielleicht auch für das ein oder andere Frühstücksbrötchen in der Schule.
TEXT Morgana Pfeifer Schridde
FOTO Reinhard Witt
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