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Lernen durch Engagement – Raus aus dem Klassenzimmer und rein in die „echte” Welt

„Einfach selbst ausprobieren“ – das könnte das ungeschriebene Motto des Wahlpflichtkurses „Lernen durch Engagement” sein

Bei dem Fach, das Schülerinnen und Schüler ab der siebten Klasse belegen können, geht es vor allem darum, ganz praktisch ins wirkliche Leben einzutauchen: In den Kindergarten, das Altenheim oder die Wohngruppe für Menschen mit Behinderung. Dabei organisieren bereits die Siebtklässler in kleinen Teams Projekte, mit denen sie sich aktiv in der Gesellschaft engagieren können – selbständig, kreativ und mit viel Herzblut.

Spiele für das Miteinander

Wencke (13) und Jamiro (14) planten zum Beispiel gemeinsam mit weiteren Mitschülern ein Projekt für die Einrichtung „Husum Horizonte“, die sich um Menschen mit Behinderung kümmert. Das Ziel des Projekts: Barrieren abbauen, Vorurteile hinterfragen und gemeinsam Freude an der Tätigkeit haben. Die Gruppe entwickelte Spiele und Freizeitangebote, baute selbst Holzspiele und recherchierte, wie man respektvoll und auf Augenhöhe mit Menschen mit Beeinträchtigungen umgeht.

„Wir wollten lernen, wie ihr Alltag aussieht und wie wir uns richtig verhalten“, erzählte Jamiro. Die Gruppe stellte dazu gezielt Fragen und traf sich vor Ort mit den Mitarbeitenden. „Das war anfangs neu und ungewohnt, aber es war auch richtig schön“, berichteten die Schüler. Die selbst entworfenen Spiele werden nun regelmäßig gemeinsam gespielt.

Spiele, die verbinden – im Altenheim

Ina hingegen setzte sich mit zwei anderen Schülerinnen für die Seniorinnen und Senioren im örtlichen Altenheim ein. Gemeinsam entwarfen sie großformatige Spiele wie „Mensch ärgere dich nicht“ und „Memory“, extra angepasst für demenzerkrankte Bewohner. „Die Bilder im Memory sollen Dinge zeigen, die die Menschen noch von früher kennen – zum Beispiel Spielzeuge oder Gegenstände aus ihrer Kindheit“, erklärt Ina. Auch feste Besuchstermine wurden vereinbart, damit sich die älteren Menschen sich besser darauf einstellen konnten.

Das Projekt förderte nicht nur den Kontakt zwischen den Generationen, sondern half auch den Schülerinnen, Berührungsängste abzubauen. Ina hatte damit von Anfang an kein Problem: „Durch meine Oma war mir vieles schon bekannt, aber es gab trotzdem immer wieder neue Eindrücke“, so die 13-Jährige.

Verantwortung lernen – nicht nur für die Schule

Das Besondere am Wahlpflichtfach „Lernen durch Engagement”: Die Projekte entstehen komplett in Eigenregie. Die Kursleiterin Yvonne Rexin begleitet die Jugendlichen zwar, gibt aber keine fertigen Lösungen vor. Selbstorganisation, Terminplanung, E-Mails schreiben, Absprache mit externen Partnern – all das übernehmen die Schüler, teils zum ersten Mal, selbst. „Das braucht Zeit, und es ist am Anfang gar nicht so leicht“, sagt Yvonne Rexin. „Aber genau darum geht es – Verantwortung übernehmen, durchhalten, scheitern dürfen und trotzdem weitermachen.“

Und das lohnt sich. Die Projekte sind nicht nur für die Beteiligten ein Gewinn – auch Kindergärten, Altenheime, Tierheime und die Tafel profitierten bereits vom Engagement der Schüler. Die Kinder haben unter anderem Weihnachtsaktionen organisiert, sich für Tierschutzprojekte stark gemacht und sogar ein eigenes Buch gegen Mobbing für Kindergartenkinder entwickelt.

Schule, die ins Leben führt

Der Wahlpflichtkurs „Lernen durch Engagement“ ist ab der siebten Klasse wählbar und läuft, je nach angestrebtem Abschluss, bis zum Ende der neunten oder zehnten Klasse. Er verbindet schulisches Lernen mit gesellschaftlichem Einsatz sowie Kenntnissen und Fähigkeiten, die später im Alltag und Beruf wichtig sind. Das sieht auch Frau Rexin so: „Die Schülerinnen und Schüler lernen hier nicht nur für die Schule, sondern fürs Leben“, sagt sie. „Teamarbeit, Kommunikation, Eigenverantwortung – das sind Dinge, die ihnen im späteren Berufsleben richtig helfen.“

TEXT Morgana Pfeifer Schridde
FOTOS  Reinhard Witt

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